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Übungstipps zur Jugendprüfung (JP)

Grundlage bilden die Prüfungsordnungen des Vereiens für Deutsche Wachtelhunde e.V. mit Stand vom 1. Januar 2015

"Zweck der Jugendprüfung ist es, die ererbten Anlagen des Junghundes festzustellen." (§22 Allgemeines) Man könnte vermuten, die Genetik ist gegeben und der Hundeführer braucht nichts zu machen. Allerdings können die genetischen Anlagen entwickelt und gefördert werden. Daher bedarf es einer JP-Vorbereitung. Es ist also ratsam, die einzelnen Aufgaben (= Fächer) vorher zu üben.

Ein Schwerpunkt ist die Arbeit auf der Hasenspur. Hier soll der Hund seine Anlagen bezüglich Nase, Spurlaut, Spurwille und Spursicherheit zeigen. Es empfiehlt sich die Hasenspur ungefähr 3 bis 5 mal vor der JP korrekt zu üben.

Korrektes Üben bedeutet:

  1. Aufsuchen einer Hasenspur:
    1. Der Hund hat sich vor der Arbeit gelöst.
    2. Er trägt eine Halsung mit einem Ring für die Ablaufleine.
    3. Geführt wird der Hund an der Ablaufleine.
  2. Ansetzen des Hundes:
    1. Wird ein Hase gefunden (Kommando "Hase") dann wird der Hund sofort abgedeckt. Der Hund darf den Hasen keinesfalls (!) gesehen haben. Man merkt sich den Startpunkt und die Richtung der Spur. Hat der Hund den Hasen gesehen, arbeitet man diesen Hasen keinesfalls! Eine Hasensichthetze ist kontraproduktiv.
    2. Ist der Hase außer Sicht läuft man schnell mit dem Hund an der Ablaufleine möglichst unter Wind zum Startpunkt ("Sasse").
    3. Man setzt den Hasen ein bis zwei Meter nach dem Startpunkt der Spur ganz ruhig und ohne Hektik auf der Spur an und läuft mit der Ablaufleine mit.
    4. Erst wenn der Hund sich auf der Spur "festgesaugt" hat lässt man eine Seite der Ablaufleine los, so dass der Hund ungestört weiter laufen kann.
  3. Warten auf die Hunderückkehr:
    1. Nach dem Schnallen geht man noch ein paar Schritte auf der Spur, stets mit Blick Richtung Spur. Man hat damit Abstand von Anderen (Korona). Denn der auf der Spur arbeitende Hund kann durchaus in der Lage sein seinen Führer wahrzunehmen.
    2. Man beobachtet den Hund. Solange er sich um die Hasenspur bemüht erhält er keine Kommandos; weder Rufe, Fiffe oder Handzeichen. Nach einigem Bögeln könnte der Hund die verlorene Spur wiederfinden und weiter arbeiten.
    3. Ist der Hund zurück, dann wird er gelobt (z.B. Rinderfleischbrocken).
    4. Ihm wird Wasser angeboten

Für einen seit 1903 gezielt gezüchteten Stöberhund ist die Stöberanlage das charakteristische Merkmal. Kurz: die Königsdisziplin. "Im Idealfall soll der Hund ein ruhiges, systematisches Absuchen der Dickung zeigen." (§31 Abs. 2) "Der Prüfling soll erkennen lassen, dass er sich um das Finden von Wild bemüht." (§31 Abs. 1).

Die Königsdisziplin kann aufgefasst werden als einen jagdoptimierter Kompromiss zwischen Selbstständigkeit des Hundes und der Führerbindung. Letzlich geht es darum, dass der Hund akzeptiert, dass er für und zusammen mit seinem Hundeführer jagt. Schon weil ein sogenannter "Fernaufklärer" in den heutigen Revieren zu gefährlich lebt (Straßenverkehr!) sollten wir die Bindung an den Hundeführer fördern. Anders formuliert: Ein Junghund sollte sich in ca. 10 Minuten bei seinem Hundeführer mal sehen lassen.

Ein korrektes Üben bedeutet:

  1. Sicherheit vermitteln:
    1. Die Dickung sollte zunächst relativ klein und von Waldwegen begrenzt sein, so dass der Junghund sich rasch zurück zum Führer begeben kann.
    2. Man schnallt den Junghund auf einem Wechsel von Rehwild oder Hase. Schwarzwilddickungen sind zunächst tabu.
    3. Man bleibt stur an der Stelle stehen (oder Sitzen) an der man den Hund geschnall hat. Der Junghund muss sich stets darauf verlassen können auf seiner Rückfährte seinen Hundeführer zu finden.
    4. Der Hund wird für seinen "Ausflug" grundsätzlich gelobt. Das Lob ist abhängig von der gezeigten Stöberleistung. Ärgerliche, laute Kommandos, um den Junghund wieder in den Busch zu bekommen, sind kontraproduktiv.
  2. Finderwillen unterstützen:
    1. Falls der Wildbestand nicht hinreicht, können vorher von der Rückseite aus "Leckerlies" gestreut platzieren werden.
    2. Sich viel, viel Zeit nehmen (Buch lesen). Dem Hund, der in unmittelbarer Nähe herum sucht (z.B. Mäuse ausfindig macht), wird es nach einiger Zeit "langweilig". Er wird zunehmend das weitere Umfeld absuchen. Allerdings braucht man wirklich Geduld. Auch hier sind ärgerliche, laute Kommandos kontraproduktiv.
    3. Will der Junghund sich überhaupt nicht lösen, kann ein erfahrener Stöberhund durchaus hilfreich sein. Aber Achtung: Letztlich wollen wir den Solojager und keinen Mitläufer.
    4. In der Übungszeit der Stöberanlagen wird der Junghund sonst ausschließlich an der Leine ausgeführt. Jede freie Erkundung der Gegend ("Herumschnüffeln") beim "Gassigehen" wird in dieser Zeit unterbunden. Wildkontakt außerhalb der Zeit der Stöberübungen gibt es nicht.

Ein weiteres Fach zum korrekten Üben ist das Verhalten am Wasser. "Der Hund soll das Wasser freudig und ohne Zögern annehmen; dieses muss ... so tief sein, dass der Hund Schwimmen muss." (§32 Abs.1).

Korrektes Üben bedeutet:

  1. Aufsuchen einer geeigneten Wasserstelle (Teich, breiter Graben) und Mitnahme eines wasserfreudigen Hundes:
    1. Der Wassereinstieg ist flach und ohne Hindernisse; also kein Schilf oder hohes Gras.
    2. Das Wasser wird schnell zum Schwimmen tief genug.
    3. Die Wasseroberfläche ist frei; also beispielsweise keine Seerosen.
    4. Es gibt keine Strömung.
  2. Ansetzen:
    1. Man nimmt den Hund zwischen seine Beine und setzt ihn direkt an der Wasserkante an.
    2. Man gibt ein klares Kommando. Ich sage: "Qarla durch!". (Hinweis: In späteren Prüfungen ist der Hund an die andere Uferseite zu schicken. Da bewährt sich dieses früh eingeübte Durchkommando.)
    3. Auf jeden Fall vermeiden, dass der Hund sich seitlich vorbeidrängeln kann. Notfalls muss man mit dem Bein den Weg versperren und einen vorsichtigen Schubs in die Geradeausrichtung geben.
  3. Anleinen:
    1. Der Hund wird erst angeleint, wenn er ein kleines Stück geschwommen ist. Dann wird er ausgiebig gelobt (z.B. Rindfleischbrocken).
    2. Geht der Hund partout nicht ins Wasser, wird eine wasserfreudiger Hund hinzugezogen, der das Kommando positiv verdeutlicht.
    3. Das auf der JP erlaubte Einwerfen von Steinen und/oder einer toten Ente (bedingt Punktabzug) wird beim Üben nicht enpfohlen.

Ein Ausschlusskriterium für einen Jagdhund ist eine fehlende Schussfestigkeit. "Für die Festellung der Schussfestigkeit eines Hundes, muss der Hundeführer ... in zeitlich angemessenem Abstand zwei Schüsse abgeben, während der Hund in Schrotschussentfernung sucht." (§33 Schussfestigkeit Abs. 2).

Korrektes Üben bedeutet:

  1. Richtigen Ort wählen:
    1. Offenen Hochwald ohne Unterbau wählen.
    2. Niemals auf den Schießstand mitnehmen!
    3. Nicht dicht am Hund schießen!
  2. Mit positiven Erlebnis verbinden:
    1. Eine verdeckte Hilfsperson wirft eine Ente beim Schuss in einiger Entfernung vor den Hund.
    2. Der Hund wird gelobt.
    3. Verhält sich der Hund beim ersten Versuch schussfest wird nicht weiter geübt.

BasilBasil 28-Aug-2021 Eingetragener Züchter


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